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Giuseppe Penone   |   DÜSSELDORF   24-11-17 - 13-01-18

 

 

A OCCHI CHIUSI - SEEING WITH CLOSED EYES

In the past, Giuseppe Penone rubbed graphite directly onto walls in order to reveal their structure, the one left behind after the builder’s hand had smoothed the surface. This age-old skill, buried in the plasterwork and inherent to the material itself, is revealed in all its curious complexity: the criss-cross lines, a confusion of traces and concealed masses henceforward became visible.

Following a similar approach, by drawing with graphite, Penone has meticulously copied the enlarged image of eyelids onto large sheets of paper, as well as onto the walls, in great detail: the lines and veins, the delicate skin and the marks of ageing; this fragile skin which, when closed, prevents the eye from projecting its gaze, turning its vision inwards and reducing the eye to darkness. Giuseppe Penone then precisely glued acacia thorns onto large canvases which in turn, side by side, reproduce the exact outline of the two eyelids. Placed either side of a marble plaque, we contemplate these “closed eyes“ face-on, struck by the peculiar sense of danger presented by the thorns, which define the eye that they can pierce. We see ourselves in the closed eyes. We see ourselves in the darkness traversed by thoughts and dreams. In the whiteness of the stone and the grey veins, the central, marble plaque echoes the material revealed on the wall when it was rubbed.

Thus the walls, the eyelids and the marble all contain a longstanding, ancient history, made up of entangled, unsuspected networks that are revealed by the drawing.

Laurent Busine

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A OCCHI CHIUSI - MIT GESCHLOSSENEN AUGEN SEHEN

Schon früher hatte Giuseppe Penone Graphit direkt auf Wände gerieben, um deren Struktur und die Handschrift des Bauarbeiters sichtbar zu machen, der einst die Oberfläche bearbeitet und geglättet hatte. Diese jahrhundertealte Handwerkstechnik, die sich förmlich in den Putz eingeschrieben hat, zeigt sich hier in ihrer ganzen Komplexität: die kreuz und quer verlaufenden Linien, verwirrende Spuren und unter dem Putz liegende Strukturen werden nunmehr sichtbar.

Einem ähnlichen Ansatz folgend, zeichnet Penone in Graphit das vergrößerte Abbild von Augenlidern akribisch auf große Papierbögen und kopiert es detailreich auf die Wände: die Falten und das Geäder, die empfindliche Haut und die Spuren des Alterns. Diese fragile Haut, die, wenn geschlossen, das Auge mit Dunkelheit umgibt und verhindert, dass das Auge seinen Blick auf etwas richtet und stattdessen seine Wahrnehmung nach innen wendet. Giuseppe Penone klebt Akazien-Dornen präzise auf große Leinwände, die ihrerseits, nebeneinander angeordnet, die genaue Kontur zweier Augenlider nachbilden. Zu beiden Seiten einer Marmorplatte platziert, betrachten wir diese "geschlossenen Augen" und werden von dem eigenartigen Gefühl berührt, dass von den Dornen eine Gefahr ausgeht und diese das Augenlid durchstechen könnten.  Wir sehen uns selbst in den geschlossenen Augen. Wir sehen uns in der Dunkelheit, durchzogen von Gedanken und Träumen. Im Weiß des Steins und in den grauen Adern auf der mittig angeordneten Marmorplatte klingen die mit Graphit bearbeiteten Wände nach.

So bergen diese Wände, die Augenlider und der Marmor eine uralte Geschichte, gewebt aus verwickelten und ungeahnten Netzwerken, die durch die Zeichnung wieder ans Licht gebracht werden. 

 

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